Gedankenversunken

1E465A24-1F4B-4A6B-9D4B-2D8C4F810B7DGedankenversunken in Traumwelten von Nebel und Klarheit steige ich auf, Richtung Gipfelkreuz. Schritt für Schritt tief ein- und ausatmend und ganz bei mir, löst sich der Gegensatz von Innen und Außen auf. Vom Knirschen der Steine begleitet, lasse ich mit jedem Höhenmeter ein Stück Alltag hinter mir. Die Luft wird dünner, die Gedanken freier. Mit Blick ins Tal setze ich mich mit dem Leben auseinander, mit Blick ins Tal überlege ich ”Wer bin ich, wenn ich bin, was ich habe, und dann verliere, was ich habe?“¹A5146B86-5C51-4277-A207-EE0B2B0B055FWas bleibt übrig von mir?048BD8AA-3DB0-4FBC-88A4-3712B5F41BD9Nur das was ich bin, abseits jeglicher Äußerlichkeiten. „Wenn ich bin, der ich bin (…), kann mich niemand berauben oder meine Sicherheit und mein Identitätsgefühl bedrohen. Mein Zentrum ist in mir selbst…“²

C2E887C7-DC32-4B28-A138-EF6235FF9FF0Diese tiefe Weisheit halte ich fest, mit Blick nach oben und im Vertrauen, dass das der Weg sei …

Euch allen eine gute neue Woche!76707E82-5909-4CED-BE4C-5ED0E9C06F3F

¹² Zitate aus: Erich Fromm: Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft 1979

Verlinkt bei Ghislanas Naturdonnerstag

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Bodenständig

Herbst, eine Jahreszeit, die mich mit gemischten Gefühlen erfüllt. Ich sehe mich gezwungen, den Sommer mit seiner ihm eigenen Leichtigkeit ziehen zu lassen und die warme, gedämpfte Melancholie des Herbsts anzunehmen. Fallende Blätter, abgemähte Felder, grauer Himmel. Regentropfenmuster an den Fenstern.

Glücklicherweise zeigt sich der Herbst auch anders. Und dann nehme ich die Faszination dieser Jahreszeit wahr: die leuchtenden Farben, wenn die milde Sonne scheint, den Herbstwind und sein Spiel mit den Blättern, die Bäume voll reifer Früchte. Samtweich fühlt sich die Sonne jetzt an und die Luft riecht nach Erde. Bodenständig. Die Tage des Lichts sind gezählt, dunkler werden die Stuben. Kerzen erhalten Einzug und Suppen. Jetzt kommt die Zeit der heißen und dampfenden Suppen, tröstend, warm, wohlig, Geborgenheit vermittelnd. Wie diese ….

Rote Beete Suppe mit karamellisierten Zwiebeln und Walnüssen

Zwiebel in Scheiben schneiden und mit braunem Rohzucker karamellisieren lassen. Rote Beete in Würfel schneiden und zugeben. Mit Gemüsebrühe ablöschen und weich kochen. Anschließend pürieren, mit Salz und Pfeffer würzen, Sahne nach Belieben zugeben und vor dem Servieren mit Walnüssen garnieren.

Bevor man sie kostet, verliebt man sich schon in ihre Farbe! Guten Appetit!

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Über die Freiheit

Freiheit – ein von Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen kontovers diskutiertes Konstrukt und über Jahrhunderte von Philosophen und Denkern erforscht. Vielleicht ist es ein zutiefst menschliches Bedürfnis, sich damit auseinanderzusetzen. Freiheit von und Freiheit zu etwas. So verschieden die wissenschaftlichen Ansichten dazu sind, so unterschiedlich erlebt es jeder Einzelne. Verschiedene psychotherapeutische Schulen setzen sich mit der Notwendigkeit von Wurzeln und Flügeln auseinander, sprechen von individueller Bestimmung und „Sinnfindung“ als zentrale Aufgabe.

Das Leben stellt uns vor Situationen, die wir nicht in der Hand haben und die das Konstrukt von Freiheit als souveräne Entscheidung ad absurdum führen. Eine Freiheit, die sich manchmal allein auf die kognitive Ebene bezieht, eine Freiheit der Einstellung zu fremdbestimmten Lebensereignissen.

Und dann gibt es die Unfreiheiten, die wir uns selbst auferlegen. Unbewusst rennen wir modernen Göttern nach, tappen in die Falle einer Abhängigkeit von Karriere und Ruhm. Wir möchten anerkannt werden, genießen Zuwendung und Aufmerksamkeit. Freuen uns, wenn andere das eigene Tun bestätigen. Leider sind Bestätigung und Bewertung oft kaum zu trennen. Schnell fühlen wir uns negativ bewertet und machen das eigene Empfinden davon abhängig. Und dann ist die Freiheit plötzlich weit entfernt.

Fernando Pessoa, der mich alias Bernardo Soares über die Ferien begleitet und den dunklen Stimmungen in mir Worte gibt, formuliert es so:

Nicht das Vergnügen, nicht der Ruhm, nicht die Macht: die Freiheit, einzig die Freiheit.

aus: Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares

Und ich fühle wieder, dass es für mich genau darum geht. Achtsam zu sein, vor neuen Abhängigkeiten oder Erwartungen anderer. Freiheit von und Freiheit zu …

Mediterraner Sommer auf dem Teller

Bei heißem Wetter, hält sich meine Lust zu kochen in Grenzen, mit einer Ausnahme: wenn Gerüche von Knoblauch und Kräutern südliches Lebensgefühl hervorrufen.

Und genau das passiert, beim Kräuterernten in der nachmittäglichen Sonne, vorbei an der sich im Schatten räkelnden Katze, wenn Knoblauch und getrocknete Tomaten fein geschnitten werden, Käse geraspelt, Pinienkerne geröstet, Basilikum gezupft, Rosmarin gehackt und dann alles mit Olivenöl vermischt wird. Es riecht nun in der Küche, wie Sommer riechen muss, der immer herbeigesehnte mediterrane Sommer…

Pesto rosso

  • 25 g Pinienkerne
  • getrocknete Tomaten
  • 1 Knoblauchzehe
  • 5 EL Olivenöl (evtl. mehr)
  • 50 g Parmesankäse
  • Salz, Pfeffer, Rosmarin, Basilikum
  • 1 TL Chilipulver

Da ich die Zutaten sehr gerne noch etwas stückig mag, püriere ich die Masse nicht, sondern hacke alles klein. Passend sind traditionell Spaghetti oder einfach aufs Brot. Genießen wir die kulinarische Reise an Sehnsuchtsorte. Guten Appetit!

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Innen wie außen

Ein bisschen langsamer gehen, den Blick in die Ferne gerichtet, ziellos. Irgendwann nicht mehr wissen, ob man nach innen oder nach außen blickt, weil alles verschwimmt. Blinzelnd sich der Welt nähern und wieder entfernen. Flimmernde Hitze.

Wenn das Leben langsamer wird ist es, als beruhigten sich die Gedanken. Durch den Wind in den Blättern der Bäume, durch den staubigen Geruch von trockenen Wildkräutern, den schon leicht herbstlich anmutenden Feldern. Sich dem Sommer ergeben und dessen Gemächlichkeit. Versöhnliche Gedanken und roter Mohn.2F17CF48-8CFA-4993-8C62-47BD18837C5F

 

 

Sommer-Suppen-Liebe

Suppen verbindet man mit Herbst und Regen, Sturm, Graupelschauer und Schnee. In den Spätherbst und Winter gehören sie eigentlich, die herzhaften, kräftigen, gehaltvollen Suppen. Zusammen mit Kerzenlicht und knisterndem Holzfeuer im Ofen.

Wenn allerdings Aromen von Orangen, Honig und Karotten sich verbinden, dann scheint die Suppe plötzlich wie gemacht für einen hochsommerlichen Abend. Weil sie nicht nur aussieht, wie die Sommersonne, sondern auch nach Sommer schmeckt: leicht und fruchtig! Unwiderstehlich mit kühlem Vino verde.

Orangen-Karottensuppe mit Honig

So einfach, dass sich ein Rezept eigentlich erübrigt:

Zwiebeln in Würfeln schneiden und andünsten, Karotten und ein Stück Ingwer putzen, klein schneiden und dazu geben. In Orangensaft kochen bis das Gemüse weich ist. Gemüsebrühe, Honig, Salz und Pfeffer dazu geben und pürieren. Dann nach Belieben Sahne unterheben. Flüssigkeitsmengen an die Menge des Gemüses anpassen bis eine sämige Suppe entsteht.

Probiert und experimentiert! Mir fallen jede Menge Veränderungsmöglichkeiten ein … Guten Appetit!

Summe der Augenblicke

Manchmal leihe ich mir Worte von anderen.  Ich lese und fühle sie. Worte, die sich zu den tiefgreifenden Fragen des Lebens zusammenfügen. Und wenn ich an einem Sonntagnachmittag auf der Terrasse sitze, mit warmem Sommerwind in den Haaren und dem richtigen Buch in der Hand, dann spüre ich etwas von dieser Tiefe, die das Leben ausmacht. Dann spüre ich die Summe der Augenblicke, die sich zu einem großen Ganzen fügen. Und dann bin ich dankbar für das Leben – und für Bücher wie dieses …

Wie kommt das Leben zustande? Die Frage hat mich früh beschäftigt. Ist Leben identisch mit der unvermeidlich, doch rätselhaft vergehenden Zeit? Während ich diesen Satz schreibe, vergeht die Zeit; gleichzeitig entsteht – und vergeht – ein winziges Stück meines Lebens. So setzt sich Leben aus unzähligen solcher mikroskopischen Zeit-Stücke zusammen? Merkwürdig aber, dass man es nicht ertappen kann. Es entwischt dem beobachtenden Auge, auch der fleißig notierenden Hand und hat sich am Ende – auch am Ende eines Lebensabschnittes – hinter unserm Rücken nach unserem geheimen Bedürfnis zusammengefügt: gehaltvoller, bedeutender, spannungsreicher, sinnvoller, geschichtenträchtiger. Es gibt zu erkennen, dass es mehr ist als die Summe der Augenblicke. Mehr auch als die Summe aller Tage. Irgendwann, unbemerkt von uns, verwandeln diese Alltage in gelebte Zeit. In Schicksal, im besten oder schlimmsten Fall. Jedenfalls in einen Lebenslauf…

aus: Christa Wolf. Vorwort zu „Ein Tag im Jahr“ 2013