Dunkle Gefühle

Was war er wohl für ein Mensch dieser Fernado Pessoa, der Persönlichkeiten in der Seele gebiert? Einen Hilfsbuchhalter Bernardo Soares, der sich Fragen stellt, wie

Was kann ich von mir erwarten? Eine erschreckende Schärfe meiner Wahrnehmungen und das deutliche Bewusstsein zu fühlen … Einen scharfen Verstand, der mich zerstört, und eine Fähigkeit zu träumen, die nichts ist als ein Ablenken ist … Einen erloschenen Willen und eine Überlegung, die ihn einwiegt, als wäre er ein lebendiges Kind …

Ich sehe ihn, wie er durch die Straßen von Lissabon flaniert, gemächlich, begleitet von dunklen Gefühlen und dem melancholischen Fado in den Gassen, spätabends, wenn die Schatten zu lebendigen Wesen werden. Immer in Zwiesprache mit seinen Begleitern, wie dem von mir verehrten Ricardo Reis, der erwidert

Was wir wahrnehmen, nicht das Wahrgenommene, gehört uns. Erkannt, erweist sich der Winter als weniger streng. Nehmen wir ihn hin wie das Schicksal. Winter mag auf Erden sein, doch nicht im Geist, daher lasst von Liebe zu Liebe oder Buch zu Buch uns lieben. Des Herdes Feuer, das uns nur kurz gehört.

Ich sehe ihn, wie er eine Kneipe betritt und sich betrinkt. In einer Ecke des Raumes sich rauchend mit den Rätseln des Menschseins beschäftigt, den Stimmen in ihm Namen gibt und Sehnsüchte ergründet, so tief und dunkel wie die menschliche Seele.

Wenn ich ihn lese, dann trifft er genau diesen Teil in mir. Den tief verborgenen.

„Dr. Ricardo Reis wurde am 29. Januar 1914 gegen 11 Uhr morgens in meiner Seele geboren.“

In meiner lebt er weiter.

Zitate aus:
1. Fernado Pessoa. Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Benardo Soares. Fischer Klassik 2012
2. Fernado Pessoa. Ricardo Reis – Poesia. Fischer Taschenbuch 2008.

 

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Zärtlicher Regenwintertag

Mein nieselgrauer Tag beginnt mit einem Spaziergang im Regen. Ich spüre die kühlen Regentropfen im Gesicht, die Augen geschlossen. Schon lange habe ich keine Angst mehr davor, nass zu werden. Tropfende Haare. Die Jeans klebt kühl an den Beinen. Nach einer Stunde bin ich wieder zuhause, durchnässt aber glücklich. Im Warmen angekommen, die Gedanken so frei.

Ein zärtlicher Regenwintertag ist wie gemacht für eine warme Suppe. Eine einfache, bodenständige Suppe wie diese.

Zwiebel schneiden und anbraten, gewürfelte Champignons dazugeben und weiter braten. Mit Mehl bestäuben und mit Weißwein ablöschen. 20 min köcheln lassen. Anschließend pürieren. Mit Gemüsebrühe und Sahne aufgießen. Nach Belieben mit Salz, Knoblauch und Pfeffer würzen. Zum Abschluss mit geschlagener Sahne verfeinern und mit Petersilie bestreuen.

Wie immer überlasse ich euch die Mengen selbst 😉 Es gibt sicher jede Menge leckere Abwandlungen. Als Beilage ist ein frisches Holzofenbrot die Krönung. Guten Appetit!

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Zwischen den Jahren

Ein Weg, Schritte knirschend im Raureif. Ein verborgener Himmel und kühle Luft, die von Winter erzählt. Meine Hände in den Taschen vergraben, in mich gekehrt, gedankenversunken. Eine besondere Zeit liegt zwischen den Jahren. Wenn die Weihnachtstage vorbei sind und das neue Jahr noch nicht begonnen hat. Eine Zeit, die ich gerne für Spaziergänge nutze, mich verabschiede von gelebtem Leben, mich mit dem auseinandersetze, was war und vielleicht mit dem, was sein wird. Irgendwann. Mit der Vergänglichkeit und dem Loslassen. Eine Zeit um ruhiger zu werden, Bücher zu lesen, und die beschriebenen Worte im Herzen zu tragen.

… ich dachte an alles, was so schnell geschieht, an alles, für das man nicht die Zeit hatte, es bis zur Neige zu genießen, an alles, was man nicht genug getragen, nicht genug geprägt, nicht genug verschlungen hat, an all das, was man in dem Moment verliert, in dem es geschieht.

 

Über manches Buch stolpert man zufällig. Einige Sätze reichen um zu wissen, dass man es lesen muss. Dieses Buch war so ein Buch. Mein Buch für die Zeit zwischen den Jahren. Mein Buch für die sensiblen Seiten in mir. Mein Buch, das sich verdichtet in einem Satz:

Alles, was für mich bestimmt war, habe ich gehabt.

Ein Satz, der mich noch lange begleiten wird, durch Nebellandschaften und durch Sonnenschein. Ein Satz, der sich tief eingräbt in mich, weil er so wahr ist.

aus: Gregoire Delacourt. Das Leuchten in mir.

 

 

 

Die Essenz

Es gibt Tage, da wirkt die Welt klarer.

Der Sturm, der die Blätter von den Bäumen fegt, eröffnet neue Blickwinkel; es ist, als verlasse Altes, Unwichtiges, Vergangenes die Bühne.

Lässt man sich darauf ein, wird der Blick auf das gelenkt, was bleibt.

Auf das Wichtige, die Essenz.

 

 

 

Tiefschwarze Schokolade

Meine geheime Leidenschaft für dunkle Schokolade führt dazu, dass ich immer wieder diesen sündhaft hochkalorischen Schokoladenkuchen backen muss. Mit viel Schokolade, Nüssen und dem unvergleichlich zart schmelzenden Schokokern. Un gâteau au chocolat, wie er sich noch schöner nennt. Ein Fest für die Sinne, schon beim Schmelzen der Schokolade, dem Duft beim Backen und als Krönung auf dem Teller, mit einer heißen Tasse Kaffee und Gedanken an den bevorstehenden Winter, der plötzlich süß und verlockend scheint …

Gâteau au chocolat

200 g dunkle Schokolade

200 g Butter

200 g gemahlene Mandeln

150 g Zucker

4 Eier

1/2 P. Backpulver

Schokolade und Butter im Wasserbad schmelzen lassen. Dann mit allen anderen Zutaten vermengen. 35 min mit 160 Grad backen (Stöckchenprobe). Kinderleicht.

Bon appétit !

Mitten in der Nacht

…und jetzt sitze ich hier, mitten in der Nacht, und höre dem Regen zu, wie er aufs Fensterbrett schlägt. Kein Licht brennt mehr in den Fenstern gegenüber, der Tatort ist gelaufen, das Lachstatar verdaut. Nur manchmal öffnet ein nackter Mann den Kühlschrank und greift nach einer Flasche Milch. Dann fällt das weiße Licht auf seinen Oberschenkel. Ansonsten ist da nichts als Stille.

aus: Simon Strauss. Sieben Nächte

Ein Buch, das ich ganz zufällig entdeckte und nach den ersten Seiten nicht mehr aus der Hand legen konnte. Die Beschreibung der Lebensangst eines jungen Mannes vor dem Erwachsensein. Die Angst irgendwann festgelegt, festgefahren, eingezwängt zu sein in einen Lebensentwurf, der sich Schritt für Schritt ergibt. Lebensereignisse, die sich aneinanderreihen, wie Perlen an einer Kette.

Ein Buch, gelesen von einer Frau, die diese Perlenkette in der Hand hält. Die auf ihre Lebensentscheidungen zurückblicken kann, die sich festgelegt hat, jede Perle einzeln: Studium, Beruf, Familie und noch vieles mehr. Eine Frau, die sich fragt, wo diese anfängliche Angst geblieben ist. Eine Frau, die ihre Perlenkette trägt, mit Stolz, mit Selbstsicherheit. Und eine Frau, die sich manchmal mit Gedanken auseinander setzt; was wäre, wenn sie sie abnehmen würde, diese Perlenkette. Langsam, bewusst, für eine gewisse Zeit.

Das hier ist ein erster und letzter Atemzug. Ein Warmlaufen für den großen Auftritt kurz vor Schluss. Es sind Anstiftungen, aber zugleich auch Abschiedszeilen. Geschrieben in einer Nacht, um in der Nacht gelesen zu werden. Am besten in sieben verschiedenen. In ihnen steckt Mut. Sehnsucht. Und Angst. Geht vorsichtig mit ihnen um. Dann könnten sie etwas bedeuten…

Ein wundervolles Buch.

 

Herbst auf dem Teller

Apfelbäume voll reifer Früchte, gehören für mich zum Herbst, wie der Frühnebel in den Tälern, die kühle Morgenluft und die samtwarmen Nachmittage. Ein besonderes Erlebnis ist die Apfelernte. In diesem Jahr waren die alten Apfelbäume brechend voll und die Zweige neigten sich bis zur Erde. Alles im Überfluss vorhanden. Dankbar bin ich für die Stunden in den Bäumen, in denen ich mich so nah am Wesentlichen fühlte. Verwurzelt.

Diese Gefühle setzen sich fort, wenn die Äpfel verarbeitet werden, es nach frisch Gebackenem riecht. Ein einfaches Rezept, das für mich ganz eng mit Herbst verbunden ist, ist das Apfelbrot. Am besten schmeckt es, bestrichen mit Butter und  einem heißen Kaffee. Wenn dazu noch der Holzofen brennt, dann ist es Herbst. Bei mir hat der Herbst begonnen und bei euch?

750 g Äpfel schälen und raspeln. Mit 200 g Zucker bedeckt etwa 3 Stunden stehen lassen. Dann 200 g Rosinen, 200 g gemahlene Mandeln, 500 g Mehl, 1 P. Backpulver, 2 EL Kakao, 1 TL Zimt, 1 Msp. gemahlene Nelken, 1-2 EL Rum hinzugeben. Alles vermengen und bei 180 Grad etwa 1 Stunde backen.

Guten Appetit!

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