Zu viel Müssen im Kopf

Sonntagnachmittage im November verleiten mich zum Rückzug und dazu, mir zu erlauben, unproduktiv sein. Die kurze Tageszeit zwischen den langen Nächten nicht zu nutzen, um noch Sport zu machen, die Sonnenstrahlen zwischen den Wolken nicht als Aufforderung zu verstehen, raus zu gehen. Ich übe mich darin, den Laubbläsernachbarn mit ihren strengen Blicken die kalte Schulter zeigen. Ja, es sind die Blätter unseres Baumes, die in euren Steingarten wehen, so wie es vor Jahren der Ball unseres Sohnes war, der die wundervollen Tulpen geköpft hat. Und ja, die Lichterkette hängt bei uns schon, obwohl der 1. Advent noch weit ist  – gegen den Dämmerungsblues, der mich jedes Jahr überfällt in dieser Jahreszeit.

Ich erlaube mir, ein Buch nicht zu Ende zu lesen, bevor ich das neue beginne, es vielleicht gar nicht zu Ende zu lesen, weil es zu viel Müssen gibt. Zu viel Müssen im Kopf.

Und so liege ich auf dem Bett, beobachte die Schatten an der Wand und sortiere meine Gedanken. Manchmal lasse ich sie einfach frei und sie formen sich zu bunten Gebilden an der Wand. Ich leihe mir Astrid Lindgrens Gedanken und verändere ein Wort: „Und dann darf man ja auch noch Zeit haben, einfach da zu sitzen und vor sich hin zu schauen.“ Einen ganzen Sonntagnachmittag lang, ohne ein Müssen.

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9 Gedanken zu “Zu viel Müssen im Kopf

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